von Laura » Montag 15. März 2010, 02:11
Hallo winisanexperiment!
Siempres mutige Offenbarung hatte mich schon halb motiviert, hier auch etwas von meinen seltsamen Erlebnissen preiszugeben. Ich suchte noch nach dem richtigen Moment, ein paar Dinge so zu beschreiben, dass es nicht ausufert und nicht zu "abgedreht" klingt. Wenn ich das bei anderen Gelegenheiten getan haben, kam von irgend einer Ecke von Betroffenen immer mindestens eine abwertende Reaktion. Ich wurde z. B. als Lügnerin hingestellt oder als hätte ich irgendwann unter Alkohol oder Drogen gestanden oder halt die übliche Keule, nach der alles in die Schizophrenie gepackt wird. Ich hatte dabei immer das Gefühl, dass sich andere Betroffene mir gegenüber als "normaler als jeder Normalo" aufführen und sich quasi auf meine Kosten profilieren wollten. Ich erzähle also schon seit langer Zeit nur sehr selten von meinen Erlebnissen. Allein mein Betreuer hat da 'nen guten Überblick und der händelt das eben nicht auf eine abwiegelnde oder gegenredende Weise. Ich hatte allerdings noch nicht daran gedacht, dass wenn ich sowas anderen Betroffenen erzählte, dies sie verunsichern könnte. Komischerweise dachte ich das aber bei Ärzten, wenn die mir da schnell das Wort abwürgten, dass die in ihrem Weltbild leicht verunsichert waren, wenn auch alles als so hingestellt wurde, dass deren Verfahrensweise nur zu meinem Besten sei, dass es ihre Aufgabe sei, mich in die Realität zurückzuholen.
Nun gut, Du hast mich auf einen neuen Gedanken gebracht. Wir Psychotiker können uns über die Gemeinsamkeiten einigen, die Unterschiede verunischern uns aber anscheinend umso mehr. Ich kann nur sagen, da ich selbst unglaubliche Dinge erlebt habe, ohne dem esoterischen Bereich nahezustehen, finde ich siempres Schilderungen zwar ungewöhnlich, aber dennoch plausibel und glaubwürdig. Ich sehe es so: Nur wenigen Leuten passieren solch unglaublichen Dinge, ähnlich wie in einem Fantasy- oder Science-Fiction-Film und natürlich wirkt das befremdlich auf diejenigen, für die die Realität weiterhin so bleibt, wie sie immer für sie war. Man muss es wohl selbst erlebt haben, um es glauben zu können, aber es passiert eben nur ganz wenigen Menschen. Kommt dann noch die Psychosediagnose hinzu, wird's erst recht heikel. Aber aus meiner Sicht kann ich es mir nicht verkneifen anzumerken, dass es ätzend ist, solche Dinge fast ununterbrochen mit sich selbst ausmachen zu müssen. Man steht so allein damit da. Ich finde es seher mutig von siempre, dass sie es hier erzählt hat, denn ich kann mir denken, dass sie auch schon so ihre negativen feedbacks bekommen hat.
Natürlich weiß ich, dass ich Psychosen hatte, dass da mein Bewusstsein anders getickt hat und dass das kein erstrebenswerter Zustand für die Dauer ist. Der Krankheitswert ist für mich schon allein in meiner Dauerdepressivität gegeben. Ich kann einiges aus meinen Psychosen als halluziniert und falsch assoziiert abtun. Es gibt darüber hinaus aber auch viele Dinge bei mir, die selbst für schizophrene Verhältnisse ziemlich eigenartig sind. Bin ich damit dauerpsychotisch, wie mich mal eine Mitbetroffene nannte? Ich denke nicht, zwar laufe ich mit einem riesengroßen Traum durch die Weltgeschichte und warte auf Erfüllung, lasse mich aber immer wieder an den grauen Alltag erinnern und mache auch brav in ihm mit.
Übrigens haben mir ein Sozialarbeiter und ein Psychiater auch schon von derartig ungewöhnlichen Erlebnissen erzählt. Bei ihnen waren es einmalige Angelegenheiten und sie wurden dadurch nicht psychotisch. Vielleicht sind es Serien wie "Akte X" oder Romane/Filme wie "Solaris" oder überhaupt das Dingens, dass in Romanen und Filmen übersinnlichen Dingen gerne mal ein Gruselfaktor beigemischt wird, dass dieses Thema Menschen Angst macht, sobald es unter dem Vorzeichen "tatsächlich erlebt" geschildert wird. In meinem Fall waren es aber keine gruseligen Dinge, die mir passiert sind, sondern sie waren eher drollig. Und wenn dann mal nach Beweisen gefragt wird....auch die kann man zerreden....
Es ist aber schon schwierig für mich, in der Einsamkeit des Schweigens leben zu müssen. Dass die abwehrenden Reaktionen für mich zwar irgendwie absehbar waren, ist mir kaum ein Trost. Ich kenne ja auch nicht das große Weltgeschehen, was hier das große Eigentliche ist, aber vom Schweigenmüssen kann man auch Schaden nehmen.
Also bei mir ist es eine Mischung aus Psychose und seltsamen Begebenheiten. Ich kenne auch den Begriff "Erklärungswahn", aber Außenstehende haben dann als Pendant einen großen Erklärungseifer. Ich kann mich Menschen aber nicht wirklich nahe fühlen, wenn ich sie nicht zumindest teilweise in mein Geheimnis einweihen kann. Die Art, andere einzuweihen, muss möglichst geschickt erfolgen, denn ich möchte ja weiterhin für einen vernunftbegabten, ernstzunehmenden Menschen gehalten werden. Aber da habe ich im rl schon mal die Erfahrung gemacht, dass das umso befremdlicher auf jemanden wirkte, dass ich also verrückt und gesund zugleich für ihn war und ich somit in keine seiner Schubladen passte. Er fand mich "krass". Keine Basis für eine nähere Bekanntschaft also.
Das musste ich jetzt mal loswerden, ohne mit meinen eigenen Erlebnissen auszupacken.
Liebe Grüße
Laura
Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode (Shakespeare)