Psychose und Arbeitsamt

Fragen, die nicht direkt Psychose betreffen, aber trotzdem dazugehören.

Moderator: Renate

Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon rainer69 » Sonntag 7. Februar 2010, 18:57

Hallo,

ich habe da mal eine Frage. Wenn man auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, da man keinen Job hat, kann man es da erreichen, dass man nur Jobs angeboten bekommt, bei denen die Gefahr eines Rückfalles nicht so groß ist? Also es ist nämlich bei mir so, dass viele in meinem Beruf sehr viel auf Achse sind und unter der Woche auswärts übernachten. Bei mir wäre es schon ein Fortschritt, wenn ich einen Job hätte, bei dem ich nicht soviel unterwegs sein muss. Wie sind da eure Erfahrungen? Meint ihr das Amt geht darauf ein?
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon Laura » Sonntag 7. Februar 2010, 21:09

Hallo rainer!

Bist Du in der Behindertenabteilung des Arbeitsamtes gemeldet? Da könnte ich es mir am ehesten vorstellen, dass die auf eine Beeinträchtigung Rücksicht nehmen. Es hat nur den Nachteil, dass die da versuchen, einen in eine Reha-Werkstatt oder EU-Rente hineinzukomplimentieren, wenn's nicht so schnell mit dem Job klappt. Ein amtsärztliches Gutachten kann weiterhelfen, um glaubhaft zu machen, dass man nicht mehr alles Mögliche arbeiten kann.

LG

Laura
Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode (Shakespeare)
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon rainer69 » Sonntag 7. Februar 2010, 22:30

Hallo,

ich komme ja aus Deutschland und habe daher mit Hartz 4 und der ARGE zu tun. Letztes Jahr im Herbst habe ich dem Amt meine Krankheit mitgeteilt. Man hat mir dann ein Formular mitgegeben, wo ich meinen Neurologen und Therapeuten von der Schweigepflicht entbunden habe. Zu einer Amtsärztlichen Untersuchung musste ich bisher nicht. Nun habe ich am Mittwoch einen Termin bei einer Sachbearbeiterin. Mal sehen.
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon Aleshanee » Montag 8. Februar 2010, 11:04

Würde mich sehr interessieren, was dabei rauskommt.

Kommen ja auch aus Deutschland und die Diagnose von meinem Mann ist noch neu. Bisher ist er krankgeschrieben, ich habe auch noch keinen Plan, wie es danach weitergeht.
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon LowCash » Montag 8. Februar 2010, 20:52

omg!
Am besten sofort zum Arzt -> Krankheitsbescheinigung mit Diagnose.
Ansonsten bei dem Termin sagen das du krank bist und nicht normal arbeiten kansnt. Nie und nimmer 8 Stunden. Wenn du wisst wie krank du bist dann sag ihr das. Lass dir keine Fortbildung oder ähnliches Aufdrücken. Bist du nicht soo schwer krank.... dann kannste dir überlegen ob du es nicht doch probierst damit du nicht als krank vermerkt bist. So Rechtlich hab ich kaum ahnung. Wird deine Krankheit anerkannt kommst du auf anderes geld als algll
ISt genau das gleiche mir fällt der name nur nicht ein. WfbM-Maßnahmen können interessant sein, je nach angebot und der leute die dort arbeiten. (werkstatt für behinderte menschen) Zum trainieren wars eine zeit lang ganz gut, nur ging es dort allen schlecht. Zwischen ner normalen Arbeit und Maßnahmen für Kranke hat die ARGE ausßerplanmässig null Angebote. Richtig schlecht. Intressiert mic hauch ob du da was erreichen kansnt.
Alles Gute LowCash
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon siempre » Dienstag 9. Februar 2010, 01:57

Naja nun, irgendwann erreicht man wieder das Stadium, in dem man 8 h und mehr arbeiten kann. Bei mir wars vor 10 Jahren soweit. Fortbildung hab ich gern genommen, aber eine richtige, mit mehreren Monaten am Stück, nur einmal haben sie mir mal so einen Hoffnungslosenkurs aufgedrückt, also "was vom Amt". Dort waren lauter so Leute, die mehr oder weniger Depressionen hatten (eher mehr) und entsprechend keinen Antritt. Am ersten Tag war bereits nach 5 Stunden Schluß, und sie jammerten gar sehr, wie anstrengend das nun war. Während ich eine Wut hatte, so die Zeit mit Absitzen vertrödelt zu haben, und zuhause erstmal Black Flag auf volle Lautstärke aufriß und mich 8 h an den Rechner setzte. Zum Glück mußte ich das Elend nicht bis zum Ende mitmachen, nach ein paar Tagen hatte ich einen richtigen Job.
Es hat allerdings lange gedauert, bis ich soweit war.
Ich war 1 Jahr in der Klinik, 1 Jahr ambulant zur Arbeitstherapie, dann Larifaripraktika, und schließlich eine Fortbildung, die das Arbeitsamt zahlte, ich aber selbst ausgeguckt hatte. Als das nicht recht anschlug im Sinne von Job gefunden, kam besagter Kurs "vom Amt". Den Job fand ich dann etwas später eben wegen der Fortbildung, die sie gezahlt hatten. Insgesamt vergingen von Krankheitsausbruch bis 1. Arbeitstag 4 Jahre.
Ich weiß nicht, in welchem Stadium Du Dich zur Zeit befindest.
Wenn Du meinst, Du hältst es noch nicht aus, halte sie Dir mit Krankheitsbescheinigung fern.
Falls Du aber die Nase voll davon hast, immer mit kranken Leuten herumzuhocken und Dich endlich mal wieder mit normalen Probleme befassen willst (so wars bei mir schließlich), dann laß Dich vermitteln bzw. suche selber (zielführender!).
Hast du jemand, der dich ein wenig "lotst", oder mußt Du deinen Weg ganz alleine finden?

Grüße
siempre
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon Renate » Dienstag 9. Februar 2010, 15:31

In österreich gibts mehrere Möglichkeiten- eine Arbeitstassistenz, verschiedene sozialprojekte (www.sozialprojekte.com), schulungen für berufliche rehabilitation, selbst bei bereits vorliegender I-Pension kann man projekte finden, wo man geringfügig was dazuverdienen kann. Aber man muß selbst Sozialarbeiter in den Ambulanzen bzw. arbeitstmarktbetreuer darauf ansprechen....
Liebe grüße
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon rainer69 » Dienstag 9. Februar 2010, 21:50

Vielen Dank für die Antworten. Nach dem Termin morgen werde ich berichten, wie es mir ergangen ist.

P. S. Momentan habe ich wieder angefangen, nach einem Job zu suchen, aber wahrscheinlich werden meine Chancen erst im Frühjahr wieder besser.
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon rainer69 » Mittwoch 10. Februar 2010, 12:06

Hallo,

also ich war bei dem Termin und man hat mir eine berufliche Reha-Maßnahme angeboten. Es wird allerdings erst noch geprüft ob der Rentenversicherungsträger oder die ARGE die Kosten übernimmt. Mal sehen, was da angeboten wird. Bisher weiß ich leider noch ziemlich wenig. Ich kann ja weiter berichten, wenn sich etwas neues ergibt. Das ärztliche Gutachten hat ergeben, dass ich mehr als 6 Stunden arbeiten kann, wenn auch mit ein paar Einschränkungen, wie z. B. eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, etc.
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon LowCash » Mittwoch 10. Februar 2010, 15:13

Hallo Rainer,
Beschreib mir doch bitte mal möglichst genau für wie fit du dich hälst, so das du denkst 6 Stunden zu schaffen.
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon rainer69 » Mittwoch 10. Februar 2010, 20:42

Naja, also momentan fühle ich mich nicht so fit, mein Hauptproblem ist meine Müdigkeit und depressive Stimmung. Außerdem schlafe ich recht viel. Aber aus Erfahrung weis ich, dass meine Zustände ein wenig schwanken, und ich konnte ja auch zeitweise nach Ausbruch meiner ersten Psychose 8 Stunden am Tag arbeiten. Ich werde es einfach mal ausprobieren. Natürlich hätte ich gehofft, dass Gutachten mein momentanes Tief mehr berücksichtigt, aber mein Neurologe denkt offenbar, dass regelmäßige Arbeit meinen Zustand bessert. Bisher war es so, wenn ich eine Arbeit mit nicht zu viel Verantwortung hatte, ging es mir auch tatsächlich besser. Aber das waren meist nur kurze Projekte von wenigen Monaten und ich konnte mich danach wieder regenerieren.
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon Aleshanee » Mittwoch 10. Februar 2010, 21:18

Hab zwar keine eigenen Erfahrungen damit, aber ich hab bei meinem Mann beobachten können, dass es ihm immer, wenn er Arbeit hatte, besser ging.

Er hat seine Arbeit zwar nie lange behalten, Gründe waren nie bekannt - wir haben es immer darauf geschoben, dass es Zeitarbeitsfirmen waren und die Moral von diesen Firmen leider meist darin lag, nach 2-3 Monaten neue Leute einzustellen. Ich kann nicht sagen, obs wirklich an der Firma lag oder an meinem Mann, ich weiß nur, dass die Beschäftigung, bzw. etwas zu tun, was ihm Spaß macht und wobei er geschätzt wurde, gut getan hat.

Bevor das mit seiner Krankheit rauskam, hab ich seine depressive Stimmung und das ganze darauf rausgeschoben, dass er nichts hat, wo er sich beweisen kann. Wo er zeigen kann, dass er auch zu was nütze ist. Er weiß halt oft nichts mit sich anzufangen, ihm wird langweilig zu Hause - was ja nachvollziehbar ist. Wann und wieviel er arbeiten kann, weiß ich auch noch nicht. Momentan ist er nochmal krank geschrieben worden. Hab auch noch keine Ahnung, wie das weitergehen wird ...
Ich denke, man muss abwägen, wie viel man sich selbst zumuten kann, aber auch, dass es vielleicht doch guttut, mal unter die Leute zu kommen und vielleicht erstmal eine Arbeit zu finden, die nicht zuviel von einem abverlangt, wo man sich aber gut aufgehoben fühlt und auch das Gefühl hat, was zu tun was einem Spaß macht und die Arbeit auch anerkannt wird, die man leistet.

Aber ist wohl schwierig, da was passendes zu finden ...
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon siempre » Donnerstag 11. Februar 2010, 00:40

Ja klar gehts einem besser wenn man regelmäßig was zu tun hat und sich mit was anderem beschäftigen kann als dem Schmoren im eigenen Saft.
Depressionen sind deswegen inzwischen eine Volkskrankheit, weil für alle die Aussichten unsicher sind und jeder jemanden kennt, der schon mal längere Zeit arbeitslos war, wenns ihm nicht selbst schon passiert ist.
@Rainer: ich hoffe, es findet sich was, das Du aushalten kannst, das Training der Regelmäßigkeit fand zumindest ich damals sehr hilfreich, als ich Arbeitstherapie und Praktika machte. Es gibt einem etwas Halt, wenn man aufstehen muß, um bei anderen Menschen zu sein. Erstmal was mit wenig Verantwortung und wenig Notwendigkeit, sich zu konzentrieren, ist gut, man muß das Schritt für Schritt ausweiten, wenn man schwer krank war. Von 0 auf 100 geht nicht. Aber es wird besser dadurch, und so ganz allmählich kommen Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit zurück.

Alles Gute
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon LowCash » Donnerstag 11. Februar 2010, 19:30

Hallo!
Ich finde ihr habt alle Recht. Eine Tagesstruktur, die einen fördert aber nicht unterfordert, ist ein guter Schritt nach vorne. Jedoch bin ich mit 3 Stunden täglich unterfordert, dazwischen gibts nicht, zack 8 Stunden. Ich finds gut das du siempre es so schnell wieder geschafft hast. Dir Rainer drück ich die Daumen.
MfG LowCash
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Re: Psychose und Arbeitsamt

Beitragvon rainer69 » Samstag 19. Juni 2010, 00:25

Hallo,

ich wollte nur ein kleines Update bringen. Ich habe ein Gespräch mit einem Psychologen vom Arbeitsamt gehabt, und die sind wohl der Meinung, dass ich zu gesund für die Reha-Abteilung bin. Nun bin ich wieder bei der normalen ARGE. Ich soll mir eine Tätigkeit aus meinem bisherigen Berufsfeld mit eingeschränkter Arbeitszeit suchen. Irgendwelche Weiterbildungsmaßnahmen halten sie für nicht nötig. Ich muss da wohl selbst aktiv werden, aber mit meiner momentanen Antriebsarmut ist das etwas schwierig. Naja, mal sehen.
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