von Aleshanee » Sonntag 18. Juli 2010, 22:50
Ich kann hier nur als Angehörige was dazu sagen ...
Als mein Mann mit Psychose in die Klinik eingeliefert wurde, hab ich dringend jemanden zum Reden gebraucht. Ich wollte das ganze natürlich nicht jedem auf die Nase binden, aber da weder mit seiner noch mit meiner Familie gut darüber zu reden war, musste ich mit ein paar wenigen ausgesuchten Leuten offen darüber sprechen.
Was mich erstmal gewundert hat war, das 4 von den 5 Erfahrungen mit Psychosen im Bekanntenkreis hatten (für mich selbst war das alles Neuland)
Sie alle haben durchweg Verständnis gezeigt (wahrscheinlich durch ihre eigenen Erfahrungen) - allerdings vor allem Verständnis für mich als "Angehörige". Für meinen Mann als eigentlich Betroffenen muss ich sagen, dass wohl Verständnis da war, aber eher ein "Verstehen auf Abstand". Ich weiß grad nicht, wie ich das anders ausdrücken soll - es war ihnen wohl allen klar, worum es ging und wie schwierig die Situation für uns beide ist, aber das Hauptaugenmerk ist bei den meisten, also mit denen ich gesprochen habe, auf die Angehörigen gerichtet. Wahrscheinlich weil sie selbst in diesem Verhältnis stehen.
Wie bei den meisten beängstigenden Krankheiten will man wohl nichts damit zu tun haben, wenn es nicht sein muss. Und für viele Menschen ist eine Psychose, eine Schizophrenie o. ä. beunruhigend. Da man es selber nicht erlebt, kann man kaum einschätzen, wie es dem anderen geht und welche Auswirkungen das konkret bei dem anderen hat. Was man nicht kennt ist einem meistens bis zu einem gewissen Grad unheimlich. Tut mir leid, dass ich das so ausdrücken muss aber für mich war es das, als ich mich so plötzlich und unmittelbar damit konfrontiert sah. Dazu kommt, dass man nicht weiß, wie man helfen soll oder kann. Ich hatte wochenlang Angst vor meinem Mann, er war wie ein Fremder, den ich nicht einschätzen konnte und da er auch schonmal aggressiv geworden war, war ich ständig übervorsichtig.
Ich glaube, da die meisten Menschen sich nicht mit dem Thema beschäftigen und nur das Wissen, was über die Medien läuft, hört sich "psychische Krankheit" immer erstmal furchteinflößend, vielleicht sogar gefährlich an. Nachdem ich mich darüber informiert habe, denke ich ganz anders darüber, aber ich habe auch gesehen, wie andere aus unserem Bekanntenkreis entweder die Augen davor verschlossen haben, um sich dem "Problem" nicht zu stellen oder es einfach nicht wahrhaben wollten. Unterstützung kam jedenfalls keine - zumindest von der Familie.