Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Leben mit Psychose. Persönliche Erfahrungen und Eindrücke.

Moderator: Renate

Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon FreeScientist » Freitag 22. Januar 2010, 02:48

Der schizophrene Schub


- eine szenische Collage



Vorwort


Haben wir nicht alle mal Folgendes irgendwie erlebt?
War das wahr, was ich gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt oder gespürt habe?
Sind die Zusammenhänge real, die ich aus Einzelerlebnissen oder Beobachtungen zusammenfüge? Habe ich die Realität immer korrekt interpretiert?


Was aber wenn dieses Nicht-Reale massiv gehäuft auftritt, gepaart mit extrem negativen Gefühlen, wie zum Beispiel starker Angst? Wenn du glaubst jeden Meter verfolgt zu werden oder du beziehst alles Geschehen in deiner Umgebung auf dich und gibst diesen Geschehnissen eine besondere Bedeutung.
Oder eine Reizüberflutung bricht über dich herein – Alle Reize werden dir zu viel und du möchtest dich am liebsten verkriechen.



Der schizophrene (psychotische) Schub, also die stärkste Ausprägung von Halluzinationen und/oder Denkstörungen/Interpretationsfehler und/oder Wahn, ist für mich nichts anderes als ein Albtraum. Aber es ist ein Albtraum, aus dem du nicht erwachen kannst, denn du bist wach.






Folgende Szenen spielten sich innerhalb weniger Tage im November 1990 ab.





Szene 1



Ich liege in meinem Bett im Kinderzimmer.
Abends.

Plötzlich steht der Teufel hinter der geschlossenen, aber nicht verriegelten Tür.
Zugleich weiß ich, was ich zu tun habe, damit er nicht eintreten kann. Ich muss nur bestimmte Sprüche vorsagen. Diese halten ihn dann ab, das Zimmer zu betreten.

Diese Sprüche haben eine bestimmte Struktur. Und zwar ist das deutsche Alphabet die Grundlage, jedoch lasse ich jeden zweiten Buchstaben aus. Mit der Hälfte des Alphabets forme ich dann Sätze oder auch nur irgendwelche Wörter.

Diese Methode scheint erfolgreich zu sein, da es der Teufel nicht schafft, die Tür des Zimmers zu öffnen.
Das Problem liegt jedoch darin, dass wenn eine Spruchfolge abgeschlossen ist, ich keine weiteren Wörter, auch nicht in normaler Sprache, denken oder sagen darf, da ansonsten die Wirkung des Spruchs verloren geht. Wie es sich leicht vorstellen lässt, ist es ziemlich schwierig, nichts zu denken. Ich bilde mir jedoch ein, dies dadurch zu erreichen, indem ich mir den Polsterrand in den Mund drücke.

Ich klappe das Bett auf und werfe die im Bettkasten liegenden Zeichenrollen heraus und lege mich hinein, den Polster weiterhin im Mund.



Am nächsten Morgen erwache ich wieder auf dem Bett liegend. Die Zeichenrollen liegen im Raum verstreut. Ich kann mich an das gestern Abend Vorgefallene erinnern und schäme mich deswegen. Damit meine Eltern nichts bemerken, räume ich das Zimmer sofort auf.












Szene 2



Ich wache am Morgen in meinem Zimmer auf.

Nach kurzer Zeit trete ich hinaus in den Gang und in die Küche, wo mein Vater mit einer Tageszeitung am Tisch sitzt und liest. Als er mich erblickt, wünscht er mir einen „Guten Morgen“ und schildert mir eine Meldung aus der Zeitung. Eine giftige Schlange sei aus einem zoologischen Institut gestohlen worden.

Nachdem ich das gehört habe, bildet sich bei mir folgende Interpretation:
Ich nehme an, dass es mein Vater war, der diese Schlange gestohlen hatte. Meine Mutter befindet sich noch im Schlafzimmer und meine Befürchtungen gehen so weit, dass ich annehme, mein Vater hätte diese Schlange meiner Mutter ins Bett gelegt. Und plötzlich scheinen sich diese Befürchtungen zu bestätigen, als ich höre wie oftmals die Klinke der Schlafzimmertüre hinuntergedrückt wird, ohne dass die Tür öffnet.
Ich stelle mir dazu vor, dass meine Mutter von der Schlange gebissen, schmerzverkrampft sich aus dem Bett geschleppt und jetzt mit letzter Kraft versucht, die Tür zu öffnen.

Das Klappern der Klinke verstummt.



Ich bin verwirrt und weiß nicht, ob ich das Ernst nehmen soll, was ich mir da eben ausgedacht und angeblich gehört habe. Auf jeden Fall habe ich nicht den Mut ins Schlafzimmer zu blicken, da ich Angst habe, es könnte sich alles bestätigen.

Ich versuche die Gedanken zu verdrängen und nach zirka einer halben Stunde kommt meine Mutter aus dem Zimmer und ich erkenne zu meiner Freude, dass dies alles nicht zutraf.


















Szene 3





Ich sitze im Wohnzimmer auf der Sitzgarnitur, die Beine hochgelagert, und blicke zum Fernseher. Meine Mutter sitzt neben mir.

In mir kommt ein sonderbares Gefühl auf. Ein Gefühl wie ich es noch nie hatte. Ich fühle mich unbeschreiblich locker und leicht oder vielmehr schwerelos. Ich fühle wie die Umgebung mich durchdringt und ich mit der Umgebung verschmelze.



Und am Höhepunkt dieses Gefühls sage ich zu meiner Mutter:

„Ich fühle mich eins mit der Welt“

































Szene 4




Ich sitze im Wohnzimmer vor dem Fernsehgerät. Ein Tennismatch wird übertragen.


Ich denke darüber nach, was bis jetzt vorgefallen ist und kann nichts begreifen.
Meine Gedanken kreisen um die Fragen:
Warum?
Wodurch?
Wie lange noch?
Wieso ich?


Zunehmend richtet sich jedoch meine Aufmerksamkeit auf dieses Tennisspiel. Die Worte des Reporters scheinen sich auf mich zu beziehen. Aussprüche wie zum Beispiel „Jetzt schreitet er in die letzte Runde“ oder „Bald ist es geschafft“ verbinde ich mit folgender Vorstellung:

Ich bin Teil eines Experiments. Ich wurde mittels Drogen beeinflusst oder durch sonstige Methoden in diesen Zustand gebracht. Und nun scheinen diese ganzen grauenhaften Erlebnisse, die ich in den letzten Tagen hatte, zu Ende zu sein. Es wurde immerhin ein Tennismatch im Fernsehen extra für mich übertragen. Die beiden Profis mühten sich für mich auf dem Spielfeld ab und die Zuschauer am Feld waren gekommen, um mitzuerleben, wie ich wieder normal werde.
Ich glaube, dass ich als Teil eines wissenschaftlichen Projekts viele Jahre hindurch oder vielleicht schon von Geburt an, speziell behandelt wurde und in vorgegebenen Verhältnissen leben musste.

Ich bin sehr erregt und freue mich, so wie ich mich noch nie gefreut habe, da jetzt das unerträgliche Leben, das ich bis jetzt führen musste, zu Ende ist und ich jetzt frei ohne medikamentöse Beeinflussung leben kann.
Ich freue mich so riesig, da so viele Menschen (Tennisspieler und Publikum) für mich da sind. Ich beginne vor Glück zu weinen und zu lachen. Es ist ein so intensives Glücksgefühl, wie ich es noch nie erlebt habe.

Nach einiger Zeit, ich habe mich nun schon beruhigt, betritt ein Not-Arzt das Zimmer. Er beginnt mich abzuhören und überprüft anschließend mein Herz mit einem mobilen EKG-Gerät. Dies ist aber eines von diesen neuen kleinen Geräten, die ich noch nicht kenne. Als er mir dieses auf die Brust hält, beginnt es zu piepen. Ich verwechsle es nun mit diesen kleinen Computerspielen für Kinder und mir kommt die Situation lächerlich vor. Das bestätigt mir meine Theorie, dass ich Teil eines Projektes bin und sage dem Arzt er soll mich doch nicht zum Narren halten und das lächerliche Spiel, von dem er behauptet es sei ein EKG-Gerät, von meiner Brust nehmen.

Er scheint mit meinen Aussagen und meinem Zustand nichts anfangen zu können und fragt mich, ob ich Drogen genommen hätte, was ich verneinte.

Er verlässt mich um in der Küche mit meinen Eltern zu reden und kritisiert diese, warum sie ihn denn gerufen hätten, er müsse wichtigere Patienten besuchen, die wirklich krank seien.








Ergänzung zu Szene 4:

Während des dem schizophrenen Schub folgenden Krankenhausaufenthaltes werde ich dann auch einem jungen Mann begegnen, der behauptet, er hätte schizophrenieähnliche Zustände, da ihm etwas in sein Getränk gegeben worden war. Solche Zustände können durch Drogen (LSD, Mescalin, etc.) verursacht werden.
Er hatte auch einmal diesen Nackenkrampf, den ich in einer anderen Szene an mir beschreibe. Er war nur wenige Tage im Spital.
































Szene 5




Meine Eltern versuchen mich in einem Krankenhaus unterzubringen.

Es wird meiner Mutter gesagt, dass sich die dafür zuständige Psychologin oder Psychiaterin auf der gynäkologischen Station aufhält. Als wir dort die Räumlichkeiten betreten, werde ich in ein Zimmer verwiesen, in das mich eine junge Krankenschwester begleitet.

Auf einmal kommt mir der Gedanke, diese junge Frau küssen zu wollen. Ich frage sie: „Darf ich Sie küssen?“ Sie bejaht und ich gehe auf sie zu und drücke ihr einen Kuss auf den Mund.

Da werden wir aber auch schon aus dem Zimmer geholt und ich gehe zurück zu meinen Eltern, die vor der Abteilung warten.

Dann habe ich aber das Gefühl, noch einmal in die Station gehen zu müssen. Dort frage ich die Krankenschwester, ob sie meine Freundin werden wolle. Ich würde auch für sie sorgen und zukünftig als Briefträger arbeiten. Sie erklärt mir aber, dass sie schon einen Freund hätte und ich verlasse die Station.





























Szene 6




Bekannte meiner Eltern , ein Ehepaar, ist bei uns zu Besuch. Wir sitzen am Tisch im Wohnzimmer.

In mir steigt ein Gefühl der Angst auf. Irgendjemand in diesem Raum ist gefährdet. Dieses Gefühl wird unerträglich und ich versuche meine Befürchtungen der Runde mitzuteilen. Doch niemand scheint darauf zu reagieren, da ich mich entweder nicht richtig ausdrücken kann oder weil mich keiner Ernst nimmt.
Da fällt mir ein, dass meine Großeltern, die im gleichen Haus wohnen, meine Befürchtungen vielleicht verstehen würden. So eile ich in deren Wohnung. Sie hatten es sich soeben vor dem Fernsehgerät gemütlich gemacht. Ich setze mich zu ihnen und schildere meine Ängste. Sie scheinen meinen Erzählungen Glauben zu schenken und folgen mir in unsere Wohnung.

Opa und Oma scheinen jedoch nun etwas verwirrt zu sein, als ich ihnen in unserem Wohnzimmer einen Platz anbiete und ihnen sage, dass sie aufpassen sollten, dass niemandem etwas geschehe.

Da scheinen sich meine Befürchtungen zu bestätigen:
Meine Mutter ist das Opfer.
Sie sagt, sie hätte von Wein Sodbrennen bekommen und müsse einen Löffel Mehl schlucken. Als sie den Löffel zum Mund führt, schreie ich auf: „Mutti nimm’s nicht! Das Mehl ist vergiftet – Sie wollen dich umbringen!“
Sie hört jedoch nicht auf mich und schluckt das Mehl.

Ich beobachte sie und es scheint keine nachteilige Wirkung zu haben. Plötzlich zwingt mich ein Krampf im Nacken, den Kopf nach hinten zu reißen. Ich versuche den Kopf immer wieder aufzurichten. Aber je mehr ich mich dagegen wehre, umso stärker scheint der Muskelkrampf zu werden.

Meine Mutter führt mich an die Wohnzimmer-Couch, wo ich mich hinlege und sie meinen Nacken massiert. Langsam lässt das Ziehen nach und ich kann meinen Hals wieder frei bewegen.














Szene 7




Nacht.

Ich liege im Schlafzimmer neben meiner Mutter, da ihr das so lieber ist, da sie so besser auf mich aufpassen kann.

Folgende Gedanken kreisen mir immer wieder im Kopf:
Auf dieser Welt gibt es zwei Seiten, die im ständigen Kampf liegen – Das Gute und das Böse. Jede Seite will an Macht gewinnen. Ich stelle mir vor, dass die Hälfte der Menschheit von Gott eingenommen ist, die andere vom Teufel.

Da merke ich, wie ich vom Teufel vereinnahmt werde.
Ich denke, wenn ich jetzt sterben würde, dann würde ein Teufel diese Welt verlassen und somit würde das Gleichgewicht Richtung Gott verschoben und diese Welt würde etwas besser werden. Bei diesen Gedanken, also in einem guten Sinne zu sterben, empfinde ich kurze Momente des Glücks und Tränen der Freude rinnen mir über die Wangen.
Also beschließe ich nicht mehr zu atmen.

Im Vertrauen an das Gute und der Bezwingung des Bösen gelingt es mir auch immer wieder, die Luft längere Zeit anzuhalten und ich stampfe mit den Beinen, als das Gefühl des Erstickens unerträglich wird.

























Szene 8




Vormittags. Schlafzimmer.

Meine Eltern haben mittlerweile meinen derzeitigen Zustand als äußerst dramatisch erkannt und haben den Hausarzt gebeten bei uns vorbei zu kommen.

Als er das Zimmer betritt, überkommt mich ein beängstigendes Gefühl. Ich bin im Zwiespalt und weiß nicht, ob er zu den Guten gehört.
Er versucht mir eine Spritze zu verpassen. Ich halte jedoch nicht ruhig.

Für mich existieren soeben zwei Mächte. Die Macht des Bauches und des Herzens. Einmal habe ich Magenkrämpfe, dann fühle ich wieder einen stechenden Schmerz im Herzen.




Meine Eltern versuchen mich zu beruhigen und nach einer Weile lasse ich mir die Injektion geben und schlafe ein wenig.




























Szene 9




Irgendetwas zwingt mich, den Hausarzt aufzusuchen.

Es ist kurz vor zwölf Uhr Mittags und ich bitte meinen Vater mich dort hinzufahren. Ich betrete das Vorzimmer, blicke kurz auf die Ordinationsschwester und dann auf die an der Wand hängende Uhr und sage: „Es ist fünf vor zwölf!“

Nun ist es wirklich „fünf vor zwölf“. Damit meine ich, dass heute der „Jüngste Tag“ gekommen ist. In meiner Interpretation stirbt ein Mensch und zwar ich. Dabei werden Gott und Teufel sterben und ein neuer Gott-Teufel wird geboren.
Ich bilde mir ein, dass ich genau um zwölf Uhr in den Behandlungsraum muss. Dort wird mich der Arzt empfangen [….]. Dann werde ich am Rücken liegen und mein Bauch wird blutspritzend aufreißen und ein neuer Gott-Teufel wird geboren.



Die Ordinationsschwester wird mir später einmal schildern, es sei ihr ein kalter Schauer bei meinen Worten „fünf vor zwölf“ über den Rücken gelaufen.





























Nachwort



Es drängt sich natürlich die Frage auf, wie kommt es zu so einer Psychose?

Was sind die Ursachen, Voraussetzungen, Bedingungen?
Kann jeder Mensch in einen Schub „gleiten“?
Was ist danach?
Wie wird man wieder gesund?
Was hilft dabei?
Wie kann man wieder zur Normalität zurückkehren?
Wie schützt man sich davor?


Wie ist es mit mir danach weitergegangen? Habe ich solches noch einmal erlebt? Hat dieser Wahnsinn mein Leben verändert? Wo stehe ich jetzt?
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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon winisanexperiment » Freitag 5. Februar 2010, 22:04

Gibts da eigentlich mehr noch von dem?
Als ich das gelesen habe dachte ich dass ich sowas ähnliches auch mal machen sollte, aber vielleicht vorerst noch nicht veröffentlichen.
ist echt interessant für mich gewesen
winisanexperiment
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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon Serendipity » Samstag 6. Februar 2010, 11:40

Ich finde es sehr wichtig, daß Du uns Deine Erfahrungen mitteilst.
Wir Betroffenen sollten uns viel mehr über unser Erleben austauschen und sehen, daß wir mit unseren Symptomen nicht allein sind.

Wie geht es Dir heute?
Hast Du noch Symptome?
Wie gehst Du damit um?

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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon FreeScientist » Sonntag 7. Februar 2010, 18:26

@winisanexperiment

Ich habe bisher nur das hier aufgeschrieben und zwar wenige Wochen nach dem Schub damals im Jahr 1991...handschriftlich und habe es erst kürzlich in den PC getippt.
Schön, dass es dir gefallen hat!


@Serendipity

Ich hatte innerhalb der letzten 19 Jahre ein paar Krankheitsphasen. Ich habe immer wieder versucht wegen der Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Psychopharmaka diese zu reduzieren oder ganz wegzulassen, ging aber meistens schief. Ich versuchte es auch mit Orthomolekularer Medizin, was aber bisher nicht sehr befriedigend war.

Ich habe auch im Laufe der Jahre immer wieder Psychotherapie in Anspruch genommen, wobei ich unterschiedlich erfolgreiche Erfahrungen machte. Ich glaube wenn du in einer Phase bist, wo du kaum Freunde hast, ist das fast ein Ersatz, ansonsten können Freunde oft auch das was die Psychotherapie bietet, leisten.

Im Moment geht es mir ziemlich gut (vom Finanziellen abgesehen :-(( ). Ich nehme derzeit 500mg Seroquel XR, wobei ich vor einigen Wochen während eines Psychiatrieaufenthaltes 700mg bekam. Ich versuche nun die geringste nötige Dosis zu finden....

LG
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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon FreeScientist » Sonntag 7. Februar 2010, 18:27

@winisanexperiment

Ich habe bisher nur das hier aufgeschrieben und zwar wenige Wochen nach dem Schub damals im Jahr 1991...handschriftlich und habe es erst kürzlich in den PC getippt.
Schön, dass es dir gefallen hat!


@Serendipity

Ich hatte innerhalb der letzten 19 Jahre ein paar Krankheitsphasen. Ich habe immer wieder versucht wegen der Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Psychopharmaka diese zu reduzieren oder ganz wegzulassen, ging aber meistens schief. Ich versuchte es auch mit Orthomolekularer Medizin, was aber bisher nicht sehr befriedigend war.

Ich habe auch im Laufe der Jahre immer wieder Psychotherapie in Anspruch genommen, wobei ich unterschiedlich erfolgreiche Erfahrungen machte. Ich glaube wenn du in einer Phase bist, wo du kaum Freunde hast, ist das fast ein Ersatz, ansonsten können Freunde oft auch das was die Psychotherapie bietet, leisten.

Im Moment geht es mir ziemlich gut (vom Finanziellen abgesehen :-(( ). Ich nehme derzeit 500mg Seroquel XR, wobei ich vor einigen Wochen während eines Psychiatrieaufenthaltes 700mg bekam. Ich versuche nun die geringste nötige Dosis zu finden....

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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon Laura » Sonntag 7. Februar 2010, 21:03

Hallo Free Scientist!

Mir hat Deine Collage auch gut gefallen. Ganz schön mutig, so ehrlich psychotisches Denken zu offenbaren.

LG

Laura
Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode (Shakespeare)
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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon Serendipity » Montag 8. Februar 2010, 11:30

Scheint, als hättest Du gelernt, mit Deinen Symptomen umzugehen, Freescientist :)

Ich hatte auch 10 Jahre lang immer chronischere schizophrene Symptome, hat bei mir auch 1991 angefangen. Seit 2000 bin ich symptomfrei. Christus hat mich davon befreit. Und ich hab auch mein Teil dazutun müssen.

Ich glaube, Du kannst das Geschehen in einer Psychose sehr gut beschreiben. Ist sicher auch für Angehörige eine große Hilfe, das zu lesen.

Alles Liebe,
Serendipity
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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon bluemchenangela » Montag 8. Februar 2010, 15:36

Ich habe aus meinem psychotischen Stoff eine Art Lebenstheorie basteln können,habe kaum noch Schübe oÄ obwohl ich kein Nl mehr nehme,

nur mal soviel,mich hat zu einem großen Teil mein Aufwachsen in einer christlichen Glaubensgemeinsachft überhaupt erst da reingebracht und ich brauchte Jahrzehnte,um mich von der Gehirnwäsche halbwegs zu befreien,große Probleme in Richtung Depression und Agression blieben und ein großer seelischer Schmerz seit nun 28 jahren.

Gruß,Angela
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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon Serendipity » Montag 8. Februar 2010, 17:52

Das tut mir leid, Angela.

Ich mein ja auch Christus selbst, als Person. Ich geh auch in keine Gemeinde mehr, weil mir vieles, was dort abläuft, nicht gefällt. Und ich kenn auch Leute, die sogenannte ekklesiogene Neurosen bekommen haben von den falschen Glaubensinhalten, die dort vermittelt werden.

Ich hoffe, Du konntest Deine Erlebnisse verarbeiten, Angela.

Alles Liebe,
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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon LowCash » Montag 8. Februar 2010, 20:38

Hi,
Aus deiner in der ersten "szene", da habe ich eine ganz ähnliche Erfahrung gemacht. Bei mir war es nicht der Teufel der vor der Tür schon wartete, nur das böseste was ich mich vorstellen konnte. So schrecklich diese Vorstellung sein mag ich verbinde aber auch kindlichen Mut damit. War trotzdem der horror! Willkommen im Forum :)
MfG LowCash
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Re: Der schizophrene Schub - eine szenische Collage

Beitragvon Renate » Dienstag 9. Februar 2010, 15:55

Danke für diese offene und wirklich einprägsame beschreibung deiner psychotischen gedanken und Empfindungen! Das ist so wichtig, da einen austausch zu haben - ich bin sicher , da haben etliche gedacht - bei mir wars ganz ähnlich!
Es ist wirklich spannend, daß gewisse themen immer wieder vorkommen, weil sie für unseren kulturkreis so prägend sind - die Angst vor dem teufel - kommt ganz häufig vor - die angst, daß irgendwas gefährliches, geheimes vor sich geht - und keiner glaubt einem
sind ja wirklich urängste, die wir aus der kindheit kennen, die dann in der psychose voll aktiviert und verstärkt werden
Liebe grüße
renate
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