Panikattacken während des Autofahrens

Leben mit Psychose. Persönliche Erfahrungen und Eindrücke.

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Panikattacken während des Autofahrens

Beitragvon bohrkopf » Sonntag 28. März 2010, 11:12

Hallo,

vergangene Woche unternahm ich eine längere Autofahrt in den Urlaub (Fahrzeit 7,5 Stunden), und nach ca. 4 Stunden bekam ich plötzlich einen Anfall, der sich wahrscheinlich am Besten als Panikattacke beschreiben läßt: Auf der Autobahn in Deutschland bei 140 km/h hatte ich plötzlich das Gefühl, als würde der "Blutdruck im Kopf abfallen", die Arme wurden heiss und ich musste ganz schnell am Pannenstreifen stehen bleiben, weil ich dachte, ich werde im nächsten Moment ohnmächtig. Kurz zuvor hatte ich darüber sinniert, dass das Rauschen in meinen Ohren ein Tinnitus sein könnte.

Das Problem ist: ich habe jetzt große Angst vor der Rückfahrt und habe nun für den Großteil der Strecke den Autoreisezug gebucht, damit ich vermeide, wieder in Panik zu geraten und beim Autofahren umzukippen. Trotzdem muss ich ca. 90 km auf Landstrassen und Autobahn zurücklegen, bis ich beim Autoreisezug bin.

Zu guter Letzt schleicht mir mittlerweile sogar am Sessellift die Panik hoch, auch hier steigere ich mich hinein, dass ich ohmächtig werden könnte und dann durch den Lift durchrutsche und hinunterfalle. Mir macht so der Urlaub gar keine Freude mehr.

An und für sich nehme ich Cipralex, die eigentlich so etwas vermeiden sollten; und auf einer Panikpage steht, man kann nicht umkippen, weil der Blutdruck in die Höhe schnellt, wenn man eine Panikattacke hat. Leider bin ich schon öfters, vor allem bei Injektionen, umgekippt und habe deswegen kein Vertrauen mehr in mich selbst, dass mir so etwas nicht mehr passiert.

Wird schon einen Grund geben, warum es in den Lokomotiven der Bahn diesen "Totmannknopf" gibt.Ich gebe ja zu, dass das ziemlich dämlich klingt, was mir da passiert, aber es ist in gewisser Art und Weise zwanghaft und ich kann nichts dagegen tun.

Habt Ihr eventuell ein paar Strategien dagegen, also persönlcihe, weil gegoogelt hab ich schon? Kennt Ihr sowas? Beruhigende Worte?
Zuletzt geändert von bohrkopf am Montag 30. August 2010, 21:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon friedolin » Montag 29. März 2010, 12:50

Hallo Bohrkopf,
also ich fahre nicht mit dem Auto genau aus diesen gründen, eben weil ich auch zuviel angst hätte und es mit meiner medikation auch nicht gut wäre wenn ich autofahren würde!

als strategien würde mir einfallen, vielleicht nur bundesstraßen zu fahren wo du in verschiedenen orten pausen einlegen kannst wo du dich etwas ablenkst, limo trinken, gesichtwaschen, und wieder weiterfahren.

weiß nicht ob dir das weiterhilft, bei mir hilft es oft kurz abstand nehmen von der beängstigenden situation und dann gehts wieder ein weilchen!

lg friedolin
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon rainer69 » Montag 29. März 2010, 12:56

Hallo,

also ich hatte zu Beginn meiner Psychose auch Panikattacken, aber die haben sich dann wieder gelegt. Könnte natürlich auch an den Medikamenten liegen (ich nehme Amisulprid). Umgekippt bin ich bei meinen Attacken nie. ich denke auch, dass das bei den Injektionen etwas anderes ist. Viele Menschen können keine Spritzen oder Blut sehen. Das hat nicht unbedingt etwas mit einer Panikattacke zu tun. Ich denke, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass du während dem Autofahren bewusstlos wirst. Vielleicht hilft es ja, wenn du etwas langsamer fährst, wenigstens hilft das bei mir manchmal, da auch ich mich immer noch beim Autofahren etwas unwohl fühle. Vielleicht gibt es ja auch einen Arzt an deinem Urlaubsort, mit dem du über deine Bedenken reden kannst. Ich wünsche dir viel Glück.
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon Aleshanee » Dienstag 30. März 2010, 08:02

Hi bohrkopf,

du beschreibst da etwas, dass dem sehr ähnelt, was mir passiert ist.

Wir sind vor zwei Jahren in den Urlaub gefahren und da mein Mann keinen Führerschein hat, musste ich die ganze Strecke (bis Italien) alleine fahren. Am Tag vorher hatte ich schon kurz das Gefühl, dass mein Blutdruck sinkt, die Geräusche wurden ferner und ich dachte schon, ich kipp um. Da ich das auf meinen niedrigen Blutdruck geschoben habe, hab ich mir nicht soviel gedacht (hatte das schon ein paarmal)
Als wir dann in der Früh losfuhren, hab ich schon nach einer Stunde gemerkt, das was nicht stimmt. Ich bin total verkrampft am Lenkrad gesessen, konnte mich schwer auf die Straße konzentrieren und hatte Angst, irgendwas passiert. Ich musste dann auch an einer Ausfahrt rausfahren. Bin kurz ausgestiegen, hab was gegessen und dann weiter gefahren. Leider hat sich das die ganze Fahrt über nicht wirklich gebessert. Wir waren insgesamt ca. 10 Stunden unterwegs und es war echt schlimm aber ich hab durchgehalten. Wenn wir die Kinder nicht dabei gehabt hätten, wär ich glaub ich umgedreht und wieder heimgefahren.

Seit dem merke ich leider immer wieder, allerdings nur beim Autobahnfahren, dass dieses Gefühl wiederkommt. Hier schnell ums Eck oder in die Stadt kann ich ohne weiteres fahren und ich fahr auch gerne Auto, aber sobald es etwas "weiter weg" ist oder ich schnell fahren muss - dann kommt es wieder.
Ich versuche mich dann abzulenken, mit Radio hören - Musik die ich mag, ich unterhalte mich mit denen, die mitfahren und konzentriere mich nur auf die Straße - und fahre nur so schnell, wie es sein muss. Pausen bringen mich eher wieder durcheinander, aber bei einer langen Urlaubsfahrt würd ich an deiner Stelle schon immer wieder pausieren. Ist denn da auch keiner dabei, der fahren kann?

Ich will Autobahnfahrten nicht völlig meiden, auch hab ich Angst, irgendwann überhaupt nicht mehr fahren zu können, deshalb hab ich mir vorgenommen, immer wieder Stückchenweise zu fahren - mit jemandem dabei, der evtl. das Heimfahren übernehmen kann, wenn ich sag "stopp, jetzt gehts nicht mehr"
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon bohrkopf » Dienstag 30. März 2010, 16:07

Hallo, vielen Dank für die lieben Kommentare. Werde langsam Fahren, Pausen machen und viel Trinken.

Ich werd Euch dann berichten, wie es mir ergangen ist :?
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon siempre » Mittwoch 31. März 2010, 23:53

Werde langsam Fahren, Pausen machen und viel Trinken.

Finde ich eine gute Idee, wird funktionieren.
Am Tag vor meiner Fahrprüfung hatte ich einen Unfall, einer ist mir schräg vornedraufgefahren. Das Auto wurde bis zum nächsten Tag wieder gerichtet, aber ich fuhr bei der Fahrprüfung arg langsam (die Fahrlehrer monierten "schneller, schneller!"). Hat sich dann bald wieder gegeben.
Also, ganz das Autofahren vermeiden tät ich nicht, das gibt der Panik nur noch mehr Raum. So wie von Dir angedacht, auch wenns ein bissel mühsam ist, ist es schon der beste Weg, denke ich.
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon bohrkopf » Montag 5. April 2010, 14:21

Hi, melde mich zurück. Das Autofahren war zwar nicht sehr angenehm, aber es ist nix passiert. Werde das mit meinem Psychiater besprechen.
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon Serendipity » Montag 5. April 2010, 20:27

Hallo Bohrkopf,

schön, daß ihr zwei gut wieder in Wien angekommen seid :)

Alles Liebe,
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon bohrkopf » Dienstag 6. April 2010, 17:54

Hi, als Konsequenz habe ich nun die doppelte Dosis Cipralex (nun 20 mg) verschrieben bekommen und Alprazolam für den Notfall. Der Arzt hat gemeint, so eine Tablette immer nur dabei zu haben hilft schon - man muss sie eventuell gar nicht nehmen. Dabei werde ich es vorläufig mal auch belassen.

Und ich werde eine Verhaltenstherapie machen.

Lg, bohrkopf.
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon friedolin » Dienstag 6. April 2010, 19:19

ich gratuliere dir, dass du es geschafft hast bohrkopf! Gut gemacht ;)

und dass mit der notfall tablette find ich gut, kann manchmal wunder bewirken wenn man weiß man hat was dabei, für den schlimmsten notfall!
es sollte nur nicht die fahrtauglichkeit einschränken!
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon bohrkopf » Sonntag 11. Juli 2010, 17:49

Zu früh gefreut :-|

Hab heute auf der Rückfahrt, als ich Frau und Kinder bei den Schwiegereltern am Land abgeliefert hatte, auf der Autobahn wieder einen Koller. Machte mir vor, ein Geräusch während der Fahrt von der Rückbank wurde von einem Lebewesen hervorgerufen; da stieg die Panik hoch, Arme und Gesicht wurden heiß, starker Tunnelblick.

Als Reaktion habe ich reflexartig tief ausgeschnauft, bin auf den ersten Fahrstreifen gefahren und langsamer geworden. Da ging es schon wieder viel besser. Etwas später hab ich dann auf einer Raststation ein Cola gekauft und daran bis zur Ankunft genuckelt, um mich abzulenken. Auf der Raststation habe ich dann auch eine wütende Wespe im Auto entdeckt, die ich freigelassen habe. Vielleicht hat ja die hinten an die Fenster geklopft, als sie versucht hatte, davonzufliegen.

Ich bin zwar schon beunruhigt, kann damit aber viel besser umgehen als beim ersten Mal. Ich weiss allerdings nicht, ob ich wieder deswegen den Therapeuten aufsuchen werden, weil das nichts mehr bringt. Ich muss da einfach durch.

Alles Liebe, bohrkopf.
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon siempre » Montag 12. Juli 2010, 01:23

Immerhin konntest Du es diesmal ziemlich gut handhaben. Daß Dich die Wespe erschreckt hat, kann gut sein, die machen allerhand hörbare Geräusche. Von daher ist "Lebewesen" ja auch garnicht verkehrt, nur ist es halt ein anderes, als Du im Schreck erwartet hast.

Alles Gute
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon bohrkopf » Montag 12. Juli 2010, 18:16

Es ist ein Albtraum. Ich kann nicht verhindern, dass wenn ich hinter dem Steuer sitze, Erinnerungen an meine letzten Ohnmachtsanfälle hochkommen, oder dass ich mir genau ausmale, wie es ist wenn ich gegen die Leitplanke schleudere und der Airbag auslöst und ich qualvoll sterbe.

Vor allem kann ich nicht unterscheiden, ob die Symptome eines Ohnmachtsanfalls oder die einer Panikattacke, bei der man angeblich nicht umkippen kann, eintreten. Und hinter dem Steuer mit 130 Sachen die Besinnung zu verlieren wäre vermutlich tödlich.

Mit einem Schritt Abstand betrachtet kann man nur drüber lachen. Woody Allen würde wahrscheinlich einen Film darüber drehen. Aber es ist voll überhaupt nicht lustig, wenn man gerade in der Situation ist.

Und ich ärgere mich über mich selbst, dass mir das passiert. Ich bin das volle Weichei geworden, ein Lulu. Meine Frau himmelt den Vin Diesel an und ich bin nun das Gegenteil von ihm.
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon Serendipity » Montag 12. Juli 2010, 21:21

Hihi, ich muß jetzt fast lachen. Muß grad für meine Ausbildung ein Buch lesen, wo es darum geht, wie die Mythen über Männer und Frauen uns das Leben schwer machen. :lol:

Und der Vin Diesel, das ist doch der Babynator, oder? :wink:

Hey, schmäler doch Deinen Erfolg nicht so! Du hast es geschafft, das zählt.

Liebe Grüße,
Serendipity
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Re: Panikattacken während dem Autofahren

Beitragvon siempre » Montag 12. Juli 2010, 23:09

Könnte, hätte, wäre. Hey, es ist nichts passiert. Du hast dich erschreckt, und konntest es handhaben, das war alles.
Ich werde auch alle paar Jahre mal ohnmächtig (wegen schmerzhaftem Krampf im Arm oder Bein), meistens klappt es, daß ich mich hinlege, so daß ich nicht zusammensacke. Vor etwa einem Jahr hats mal nicht geklappt, weil ich zu lange wartete damit, und eine besorgte Passantin holte die Feuerwehr, der ich dann erst wieder wortreich erklären mußte, daß es nichts schlimmes ist...
Gut wäre, wenn man seine Reaktion auf sowas üben könnte, indem man es simuliert.
Ansonsten hat Serendipity recht: wichtig ist die richtige Reaktion darauf, die muß man sich im Gedächtnis behalten und damit verstärken.

Liebe Grüße
siempre
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